Guten Tag,

die Sonne scheint, die Kinder haben Ferien und auf dem Grill versuchen die Sojawürstchen braun zu werden, woran sie jedoch kläglich scheitern, weshalb ich fast versucht bin, mir in einem unbemerkten Augenblick eines dieser knackigen Schweinesteaks aus dem Nachbargarten zu klauen. Ich könnte den Diebstahl ja zur Not der Katze anlasten… Wo ist sie überhaupt? Seit Beginn der Grillsaison habe ich sie nicht mehr gesehen.

Wer Ferien hat, sollte seine Zeit jedoch nicht nur mit Grillen verschwenden, auch Lesen ist eine befriedigend nutzlose Beschäftigung. Wer die Zeit bis zur nächsten „Bumsdorfer Gerüchteküche“ nicht abwarten kann, dem kann ich nur empfehlen, das satirische Buchmagazin „The Punchliner“ zu lesen.

Der Punchliner ist in Braunschweig an folgenden Orten zu erwerben: Buchhandlung Graff (Sack 15), Café Riptide (Handelsweg 11), Guten Morgen Buchladen (Bültenweg 87), Leseratte (Hopfengarten 40) und Thalia (Hutfiltern 9).

Einen Vorgeschmack auf die dort zu erwartenden Lesegenüsse gibt aber schon jetzt und hier mit meinem schönsten Ferienerlebnis:

Verdamp lang her

Die 70er Jahre gingen ihrem Ende entgegen, als meine Eltern auf die unglückselige Idee kamen, mich in einen Sommerurlaub zu entführen. Sie packten mich, die Badehosen und meine jüngste Schwester (die anderen beiden blieben verschont und zu Hause) in den Mittelklassewagen und fuhren mit uns nach Damp 2000 an der westdeutschen Ostsee. Hier gab es ein ganz spezielles Urlaubsfeeling, den besonderen Kick, denn Damp 2000 war neu und modern, der Ort war innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft worden. Ein beschaulicher Hafen mit Fischerbooten? Eine gemütliche Altstadt mit Seefahrerromantik? Alles unnötiger Quatsch. Hier gab es die knallharte Erholung ohne irgendwelchen traditionellen Schnickschnack.

Leider war dies der schlechteste Sommer seit Menschengedenken und so saßen wir zwei Wochen lang in dieser Retortenstadt fest, in einem dreieckigen Haus hockend, während der Regen auf das Dach pladderte. Die meiste Zeit über spielten wir eine der 327 Varianten des Kartenspiels „11er“ raus, stritten uns über die Spielregeln und hofften, dass das Martyrium bald ein Ende haben möge. Auch ein Ausflug nach Sylt und ein Besuch des Schwimmbades brachten nicht die gewünschte Abwechslung. Was nützt das auch alles, wenn doch die Eltern dabei sind, die einem schon zu Hause auf die Nerven gehen, wo man ihnen aber wenigstens ausweichen kann. Hier dagegen waren wir ihnen und ihrer schlechten Laune schutzlos ausgeliefert.

Unsere Erzeuger hatten auch ein Einsehen und brachen den Urlaub vorzeitig ab. Meine beiden älteren Schwestern gerieten angesichts des in die Einfahrt einbiegenden Autos in Panik, denn wie sollten sie so schnell die betrunkenen und sonst wie benebelten Jugendlichen aus dem Partykeller, dem Kinderzimmer, dem Elternschlafzimmer und der Badewanne herausbekommen? Nun, sie schafften es natürlich nicht in den paar Minuten und ich kann mich nicht mehr en detail daran erinnern (habe es wohl verdrängt, um meine kindliche Seele zu schützen), wie meine Eltern reagierten, als sie bemerkten, dass ihr Lebenswerk (das Eigenheim!) zerstört worden war von einem Mob Halbstarker.

Essenvorräte gab es auch nicht mehr, von Getränken ganz zu schweigen, ja, sogar das zurückgelassene Haushaltsgeld war gestohlen und vermutlich in Haschisch angelegt worden, hatte sich also in Rauch aufgelöst. Und das Treppengeländer drohte noch Monate später, endgültig von der Wand abzufallen, bis mein Vater es endlich wieder befestigte. Im nachhinein konnte nicht mehr geklärt werden, welcher von den „langhaarigen Bombenlegern“ für diese Zerstörungsaktion verantwortlich gewesen war, uns kleineren Kindern diente es jedoch als Mahnung, nicht jedem dahergelaufenen Hardrock-Fan unbegrenzt Vertrauen zu schenken – jedenfalls solange, bis wir selbst in dem entsprechenden Alter waren.

Wohl unnötig zu sagen, dass dies der letzte gemeinsame Urlaub mit meinen Eltern war und dafür bin ich auch sehr dankbar! Stattdessen bekam ich jetzt am Anfang des Sommers immer eine Dauerkarte für die „Badeanstalt“, womit ich alles hatte, was das Herz begehrte: nämlich viel Wasser und einen riesigen Rasen, der „Liegefläche“ genannt wurde. Die folgenden Sommer waren auch wieder angenehm temperiert, die Sonne schien und brutzelte freundlich auf uns herab, Sonnenbrand gab’s trotzdem noch nicht, denn das Ozonloch befand sich noch in der Bauphase.

Schauen Sie auch im nächsten Monat wieder auf diese Seite. Dann gibt es hier eine weitere Kurzgeschichte und natürlich die neuesten Informationen zur „Bumsdorfer Gerüchteküche“, der Lesebühne Ihres Vertrauens.

Schöne Sommersonnentage noch!

Axel Klingenberg