An prominenter Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass auf der MySpace-Seite des bereits hier besprochenen Punchliners Lesungsmitschnitte der Ensemblemitglieder Marcel und Axel zu hören sind. Wer also keine großen Pusteln im Gesicht wegen MySpace bekommt, sollte unbedingt vorbeischneien.

Der Punchliner auf MySpace.

Mit den besten Empfehlungen: Marcel

Niels Ruf scheiße zu finden ist nicht schwer – er will es so, er pflegt akribisch seinen Ruf als größtes Ekelpaket des deutschen Fernsehens. „Einer muss das Arschloch machen und ich bin es schließlich gerne“, scheint er zu denken. Dabei sieht man ihm dies erst einmal gar nicht an, denn Ruf erweckt auf den ersten Blick den Eindruck des Vorzeige-Schwiegersohns: Jackett, Krawatte und manikürte Fingernägel täuschen Seriosität vor. Aber so wie schmuddelige Punks und fettmattige Heavy Metal-Fans in der Regel recht manierliche Gesellen sind, so gilt umgekehrt, dass man sich vor den Jugendlichen hüten muss, die weiße T-Shirts und eben solche Hosen zu tragen pflegen und gegelte Haare haben – denen rutscht schon einmal garnz gerne die Hand aus, wenn man sie bittet im Wartezimmer des Lungenfacharztes nicht zu rauchen, und unversehens schießt einem das Blut aus der Nase und macht hässliche Flecken auf die nigelnagelneuen Klamotten des aufgebrachten Mitbürgers, der daraufhin noch viel ungehaltener wird und einem wütend eine Kopfnuss verpasst, dass einem Hören und Sehen vergeht und man daher auch gar nicht mehr mitbekommt, wie der junge Mann noch eine viertel Stunde lang auf einen einprügelt, bis dann endlich die Polizei eintrifft und dem Ein-Personen-Massaker ein Ende bereitet.

Niels Ruf lässt sich allerdings keineswegs zu solchen emotionalen Ausbrüchen hinreißen. Ganz im Gegenteil stößt er seine Gehässigkeiten immer freundlich lächelnd aus. Warum auch nicht – ihm ist ja letztendlich alles egal, da muss er sich beim Pöbeln auch nicht groß echauffieren.

Wenden wir unseren Blick aber noch mal kurz zurück an den Anfang seiner Karriere: Angefangen hat Ruf im Kindergarten des deutschen Fernsehens, in der Abteilung für Jugendunterhaltung, nämlich als Moderator der Videospielshow „X Base“. Überhaupt liegt ihm das deutsche Bildungsfernsehen sehr am Herzen und die Nebenrolle in der Neuverfilmung der klassischen Queer-Komödie „Charley’s Tante“ damit nahe. Qualitativ hochwertige Arbeit liefert er auch als freier Mitarbeiter der Faken-Faken-Faken-… tschuldigung, das t klemmt … Fakten-Fakten-Fakten-Sendung „Focus TV“ ab.

Zu ganz großer Form läuft Nielsi dann aber bei „Kamikatze“ auf, bei der er seinen Ruf als „TV-Ferkel der Nation“ begründet. Er sei sexistisch und homphob lauten die vernichtenden Urteile, denen zu widersprechen man sich eigentlich inhaltlich gar nicht in der Lage sieht. Im Privatleben mag Ruf ein ganz anderer sein (wie er gerne verlauten lässt“, in der medialen Welt geht er jedenfalls über Leichen bzw. über notdürftig bekleidete junge Damen („Kamikätzchen“ genannt), deren Funktion in der Sendung darin besteht, notdürftig bekleidet herumzuliegen und sich an und an beleidigen zu lassen. Eine Parodie auf die wasserglasbringenden Assistentinnen im übrigen Fernsehen sei dies, wollen einige Schlauberger wissen, aber eine Parodie hat ja auch immer einen entlarvenden Anspruch, den man hier beim besten Willen nicht entdecken kann, bedienen die Kamikätzchen doch lediglich den gemeinen Voyeurismus des hundsgemeinen männlichen Zuschauers. Da nützt es auch nix, wenn sich dort einmal ein „Kamikater“ räkeln darf.

Man sieht schon: Rufs künstlerisches Schaffen ist beeindruckend. Aber auch andere Leistungen haben ihm zum Durchbruch verholfen, z.B. eine Liason mit Anke Engelke. Weitere Flops seiner Laufbahn: „Dumm erwischt“, eine dolle originelle Sendung, in der er mit versteckter Kamera … – is’ ja gut, ich hör ja schon auf – und „Herzog“, eine Serie, in der er drei ausgestrahlte Folgen lang einen Scheidungsanwalt mimen darf. Seit 2006 versucht er sich vergeblich in der „Niels Ruf Show“ als Late-Night-Talker zu profilieren. Sat 1 hat ein Einsehen (Zeichen! Wunder!) und setzt die Sendung am 18. Oktober ab – ein großer Tag für die deutsche Fernsehunterhaltung.

Alle Fotos von: Andreas Reiffer

Guten Tag,

endlich ist er da, der neue Punchliner! Die fünfte Ausgabe des Buchmagazins für Literatur, Satire und Slam Poetry ist ab sofort im Handel erhältlich. Sie enthält Beiträge von Tonia Wiatrowski, Karsten Weyershausen, Michael Völkel, Hauke Trustorff, Daniel Terek, Frank Schäfer, Lord Schadt, Andreas Reiffer, Holger Reichard, Marcel Pollex, Jan Off, Julian Meding, Roland Kremer, Axel Klingenberg, Gregor u.v.a

Der Punchliner ist natürlich direkt beim Verlag erhältlich www.subh.de, aber auch im regulären Buchhandel. In folgenden Braunschweiger Läden ist er vorrätig: Café Riptide (Handelsweg 11), Guten Morgen Buchladen (Bültenweg 87), Graff (Sack 15), Leseratte (Hopfengarten 40), Tatendrang Ateliergemeinschaft (Breite Str. 18a) und Thalia Buchhaus (Hutfiltern 9 und in den Schlossarkaden).

Und am 13. November stellen wir in der „Bumsdorfer Gerüchteküche“ die neue Ausgabe – inkl. Highlights, Outtakes und Making of – live vor. Zu diesem Ereignis lassen wir extra Henning Chadde (Moderator der Hannöverschen Poetry Slams und der Leseshow „Überholspurpiraten“ sowie langjähriger, verdienter Mitarbeiter unseres mittelständischen Unternehmens) nach Braunschweig einfliegen.

Man sieht sich!

Axel Klingenberg

Der Punchliner 5

Der Punchliner 5