Fürsorge und Vernunft

Als ich meinen Sohn und zwei Nachbarsjungen mit dem Bus vom Kindergarten abhole, möchte ich am liebsten vor Scham im Boden versinken. Die Kinder streiten sich um den einzigen freien Fensterplatz. Mein Sohn fängt an zu weinen, die anderen bilden höhnische Sprechchöre, er haut auf einen von ihnen ein, der daraufhin ebenfalls den Tränen freien Lauf gibt.  In der Sitzreihe gegenüber liest ein Mann ein Buch von Michel Foucault, „Dispositive der Macht“. Als wir aussteigen, um die Linie zu wechseln, fragt er: „Wollen Sie aussteigen oder müssen Sie?“ „Das ist in diesem Falle identisch“, antworte ich, froh auch in dieser peinlichen Situation noch einen Rest intellektueller Würde bewahren zu können.