Niels Ruf scheiße zu finden ist nicht schwer – er will es so, er pflegt akribisch seinen Ruf als größtes Ekelpaket des deutschen Fernsehens. „Einer muss das Arschloch machen und ich bin es schließlich gerne“, scheint er zu denken. Dabei sieht man ihm dies erst einmal gar nicht an, denn Ruf erweckt auf den ersten Blick den Eindruck des Vorzeige-Schwiegersohns: Jackett, Krawatte und manikürte Fingernägel täuschen Seriosität vor. Aber so wie schmuddelige Punks und fettmattige Heavy Metal-Fans in der Regel recht manierliche Gesellen sind, so gilt umgekehrt, dass man sich vor den Jugendlichen hüten muss, die weiße T-Shirts und eben solche Hosen zu tragen pflegen und gegelte Haare haben – denen rutscht schon einmal garnz gerne die Hand aus, wenn man sie bittet im Wartezimmer des Lungenfacharztes nicht zu rauchen, und unversehens schießt einem das Blut aus der Nase und macht hässliche Flecken auf die nigelnagelneuen Klamotten des aufgebrachten Mitbürgers, der daraufhin noch viel ungehaltener wird und einem wütend eine Kopfnuss verpasst, dass einem Hören und Sehen vergeht und man daher auch gar nicht mehr mitbekommt, wie der junge Mann noch eine viertel Stunde lang auf einen einprügelt, bis dann endlich die Polizei eintrifft und dem Ein-Personen-Massaker ein Ende bereitet.

Niels Ruf lässt sich allerdings keineswegs zu solchen emotionalen Ausbrüchen hinreißen. Ganz im Gegenteil stößt er seine Gehässigkeiten immer freundlich lächelnd aus. Warum auch nicht – ihm ist ja letztendlich alles egal, da muss er sich beim Pöbeln auch nicht groß echauffieren.

Wenden wir unseren Blick aber noch mal kurz zurück an den Anfang seiner Karriere: Angefangen hat Ruf im Kindergarten des deutschen Fernsehens, in der Abteilung für Jugendunterhaltung, nämlich als Moderator der Videospielshow „X Base“. Überhaupt liegt ihm das deutsche Bildungsfernsehen sehr am Herzen und die Nebenrolle in der Neuverfilmung der klassischen Queer-Komödie „Charley’s Tante“ damit nahe. Qualitativ hochwertige Arbeit liefert er auch als freier Mitarbeiter der Faken-Faken-Faken-… tschuldigung, das t klemmt … Fakten-Fakten-Fakten-Sendung „Focus TV“ ab.

Zu ganz großer Form läuft Nielsi dann aber bei „Kamikatze“ auf, bei der er seinen Ruf als „TV-Ferkel der Nation“ begründet. Er sei sexistisch und homphob lauten die vernichtenden Urteile, denen zu widersprechen man sich eigentlich inhaltlich gar nicht in der Lage sieht. Im Privatleben mag Ruf ein ganz anderer sein (wie er gerne verlauten lässt“, in der medialen Welt geht er jedenfalls über Leichen bzw. über notdürftig bekleidete junge Damen („Kamikätzchen“ genannt), deren Funktion in der Sendung darin besteht, notdürftig bekleidet herumzuliegen und sich an und an beleidigen zu lassen. Eine Parodie auf die wasserglasbringenden Assistentinnen im übrigen Fernsehen sei dies, wollen einige Schlauberger wissen, aber eine Parodie hat ja auch immer einen entlarvenden Anspruch, den man hier beim besten Willen nicht entdecken kann, bedienen die Kamikätzchen doch lediglich den gemeinen Voyeurismus des hundsgemeinen männlichen Zuschauers. Da nützt es auch nix, wenn sich dort einmal ein „Kamikater“ räkeln darf.

Man sieht schon: Rufs künstlerisches Schaffen ist beeindruckend. Aber auch andere Leistungen haben ihm zum Durchbruch verholfen, z.B. eine Liason mit Anke Engelke. Weitere Flops seiner Laufbahn: „Dumm erwischt“, eine dolle originelle Sendung, in der er mit versteckter Kamera … – is’ ja gut, ich hör ja schon auf – und „Herzog“, eine Serie, in der er drei ausgestrahlte Folgen lang einen Scheidungsanwalt mimen darf. Seit 2006 versucht er sich vergeblich in der „Niels Ruf Show“ als Late-Night-Talker zu profilieren. Sat 1 hat ein Einsehen (Zeichen! Wunder!) und setzt die Sendung am 18. Oktober ab – ein großer Tag für die deutsche Fernsehunterhaltung.

Lesetipp

August 18, 2008

Guten Tag,

„das Jahr herbstelt“ (Nietzsche), zumindest jedoch fallen große, traurige Regentropfen vom Himmel. Zeit also, den Blick vom Himmel abzuwenden und auf ein gutes Buch zu lenken. Und auf welches? Natürlich auf das Standardwerk der Bumsdorfer Gerüchteküche, auf „Gute Verlierer – Geschichten und Glossen“, das ich hier selbstlos (ich bin mit dem Autor weder verwandt noch verschwägert, sondern bloß identisch) vorstellen bzw. vorstellen lassen möchte, indem ich die Damen und Herren von der Presse zu Wort kommen lassen.

Das Buch sei „(e)ine wirklich schöne Lektüre!“ meint das Plastic Bomb, das Subway hält es für „…empfehlenswert…“ und GIGA TV lobt den „ziemlich trockenen Humor“. Meine liebste Rezension ist jedoch im Trust erschienen. Dort heißt es nämlich (und ich bin zu bescheiden, um widersprechen zu wollen): „Mit viel Selbstironie, mit der Fähigkeit über sich selbst lachen zu können, null die Bohne aufgeblasen, bekommt man hier Stories von sympathischen Verlierern präsentiert, die sich lesen lassen, wie wenn man streichzarte Butter auf frischen Pumpernickel platziert. Wem Max Goldt zu konservativ geworden ist, dem sei Axel Klingenberg sehr empfohlen.“ Auch die Federwelt macht sich übrigens so ihre Gedanken über den Autoren und warnt: „„Arbeit? Privatleben? Sex? Lieber nicht danach fragen.“

Die „Guten Verlierer“ sind im Verlag Andreas Reiffer erschienen und auch dort erhältlich: www.subh.de. Sie können aber natürlich auch in jeder Buchhandlung für 10,- Euro erworben werden: www.buchhandel.de.

Schöne Grüße

Axel Klingenberg